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	<title>Literatur Archive - Jochen Metzger</title>
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		<title>Thomas Mann, Fontane, Montaigne – kann man noch immer lesen!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Metzger]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 11 Jan 2025 13:52:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Man kann nicht immer nur von Psychologie lesen und über Psychologie schreiben. Außerdem verschließe ich mich bisweilen den Tagesmeldungen, dann zieht es mich zu alten Büchern. Neulich zum Beispiel. Eigentlich sollte ich ne Titelgeschichte für Psychologie Heute anfertigen. Hab ich auch gemacht. Aber am Wegesrand der Recherche lagen ein paar Romane und Novellen; sie haben [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.jochen-metzger.de/thomas-mann-fontane-montaigne-kann-man-noch-immer-lesen/">Thomas Mann, Fontane, Montaigne – kann man noch immer lesen!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.jochen-metzger.de">Jochen Metzger</a>.</p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="886" height="1030" src="https://www.jochen-metzger.de/wp-content/uploads/2025/01/altebycher-886x1030.jpg" alt="" class="wp-image-3830" srcset="https://www.jochen-metzger.de/wp-content/uploads/2025/01/altebycher-886x1030.jpg 886w, https://www.jochen-metzger.de/wp-content/uploads/2025/01/altebycher-258x300.jpg 258w, https://www.jochen-metzger.de/wp-content/uploads/2025/01/altebycher-768x893.jpg 768w, https://www.jochen-metzger.de/wp-content/uploads/2025/01/altebycher-1321x1536.jpg 1321w, https://www.jochen-metzger.de/wp-content/uploads/2025/01/altebycher-1762x2048.jpg 1762w, https://www.jochen-metzger.de/wp-content/uploads/2025/01/altebycher-1290x1500.jpg 1290w, https://www.jochen-metzger.de/wp-content/uploads/2025/01/altebycher-606x705.jpg 606w" sizes="(max-width: 886px) 100vw, 886px" /></figure>



<p>Man kann nicht immer nur von Psychologie lesen und über Psychologie schreiben. Außerdem verschließe ich mich bisweilen den Tagesmeldungen, dann zieht es mich zu alten Büchern. Neulich zum Beispiel. Eigentlich sollte ich ne Titelgeschichte für <a href="https://www.psychologie-heute.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Psychologie Heute</a> anfertigen. Hab ich auch gemacht. Aber am Wegesrand der Recherche lagen ein paar Romane und Novellen; sie haben gerufen, ich habe nachgegeben. Diese Erfahrung möchte ich gerne mit Euch teilen, einfach, weil sich das so gehört. Meine Kernerfahrung geht so. Thomas Mann, Fontane, Montaigne: kann man noch immer lesen!</p>



<p>Alles ging aber los mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/E._T._A._Hoffmann" target="_blank" rel="noreferrer noopener">E.T.A. Hoffmann</a>. Sigmund Freud hat einen längeren Aufsatz über Hoffmann geschrieben und über <a href="https://www.gutenberg.org/files/34222/34222-h/34222-h.htm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">das Unheimliche</a>, das beim Lesen von Hoffmanns Werken nach uns greift. Ich wollte rauskriegen, ob Hoffmann noch immer unheimlich ist. Antwort: ja, ist er. Und: nein, ist er gar nicht. Und zwar so: </p>



<p>Als Student hab ich – Freud folgend – Hoffmanns Novelle &#8222;<a href="https://www.projekt-gutenberg.org/etahoff/sandmann/sandmann.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Sandmann</a>&#8220; gelesen. Diesmal hab ich mich aus Gründen, die hier nichts zu Sache tun, für &#8222;<a href="https://www.projekt-gutenberg.org/etahoff/elexier1/elexier1.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Elixiere des Teufels</a>&#8220; entschieden. Tatsächlich hab ich darin ganz starke Passagen gefunden. Etwa dort, wo Hoffmann das extreme Erleben von Scham beschreibt. Das kann er richtig gut. Scham ist eh eine Emotion, die mich mit den Jahren immer stärker interessiert, ich habe sie lange unterschätzt. Scham ist wie eine Lanze im Ritterturnier, sie haut dich vom Gaul und aus der Rüstung, wenn sie wuchtig zustößt. Hoffmann lässt den Helden seiner &#8222;Elixiere&#8220; jedenfalls mehrere Schammomente erleben und … wie soll ich sagen? … ich mochte das und fand es sehr gut getroffen. Hoffmann steht ja eh mit einem Bein im Wahnsinn, der Typ hat definitiv auf die andere Seite des Vorhangs geguckt, und ich glaube, dass extreme Erlebnisse von Scham genau dasselbe bewirken können: Sie erschaffen kurze quasi-psychotische Episoden, in denen sich das Ich aufzulösen scheint. Ich finde diesen Zusammenhang in Teilen der psychologischen Forschungsliteratur, ich sehe sie bei E.T.A. Hoffmann und im so genannten &#8222;wirklichen Leben&#8220; sehe ich sie auch. Wenn man Hoffmann in diesen Passagen mit offener Seele liest, fasst es einen an auf eine ganz besondere und eigentümliche Art. </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;Ich war wie vernichtet, ein Eisstrom goss sich durch mein Inneres – besinnungslos stürzte ich fort ins Kollegium – in meine Zelle. Ich warf mich wie in toller Verzweiflung auf den Fußboden – glühende Tränen quollen mir aus den Augen, ich verwünschte – ich verfluchte das Mädchen – mich selbst – dann betete ich wieder und lachte dazwischen wie ein Wahnsinniger! Überall erklangen um mich Stimmen, die mich verspotteten, verhöhnten; ich war im Begriff, mich durch das Fenster zu stürzen, zum Glück verhinderten mich die Eisenstäbe daran, mein Zustand war in der Tat entsetzlich. Erst als der Morgen anbrach, wurde ich ruhiger.&#8220;</p>
</blockquote>



<p>Für mich ist das eine starke Passage. Es gibt auch jede Menge anderer Stellen. Da schmeißt einen Hoffmann mit Adjektiven und Adverbien zu, wie man es heute nicht mehr mag. Auch die Handlung hat enorme Schwächen, viele Übergänge sind lieblos hingerotzt, ein unmotivierter Zufall jagt den nächsten, Hoffmann schüttelt ganz viele sehr billige Sex&amp;Crime-Geschichten aus dem Ärmel. Nicht viele werden da bis zum Schluss durchhalten. Dennoch: Psychische Extremzustände und Drogenerfahrungen – das hat er drauf, der Hoffmann. </p>



<p>Außerdem habe ich nochmal in Chamissos &#8222;<a href="https://www.projekt-gutenberg.org/chamisso/schlemil/schlemil.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Peter Schlemihl</a>&#8220; reingelesen. Als Student bin ich dabei eingeschlafen, ich habe deshalb wenig davon erwartet. Doch ich war überrascht, wie gut lesbar das war. Man kann das natürlich nicht so unbefangen abfeiern wie etwas Zeitgenössisches, trotzdem mochte ich das. Ulkig lakonisch fand ich das Grundmotiv der Story: Der Teufel kauft einem Mann seinen Schatten ab, rollt ihn zusammen wie eine Yogamatte, klemmt sie sich unter den Arm und geht davon. </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Er schlug ein, kniete dann ungesäumt vor mir nieder, und mit einer bewundernswürdigen Geschicklichkeit sah ich ihn meinen Schatten, vom Kopf bis zu meinen Füßen, leise von dem Grase lösen, aufheben, zusammenrollen und falten, und zuletzt einstecken. Er stand auf, verbeugte sich noch einmal vor mir, und zog sich dann nach dem Rosengebüsche zurück. Mich dünkt&#8216;, ich hörte ihn da leise für sich lachen. </p>
</blockquote>



<p>Was mich damals sehr gestört hat und noch heute stört auf der vordergründigsten Handlungsebene: Bei Chamisso merken alle sofort, dass der Held keinen Schatten mehr hat. Ich fand das psychologisch zu inkorrekt, um es einfach zu zu schlucken. Ich glaube hingegen: Für unseren Schatten interessiert sich erstmal keine Sau. Die Leute haben genug mit sich selbst zu tun.</p>



<p>Über ein paar sehr lose Assoziationen bin ich dann bei Fontane gelandet. Fontane. Oh, weh! Ich musste ihn in der Schule lesen, im Studium auch wieder. Dann nochmal in einer Phase, in der meine Tochter noch winzig klein war. Da haben wir in unserer kleinen Küche in Oldenburg sehr regelmäßig &#8222;<a href="https://www.ndr.de/kultur/sendungen/am_morgen_vorgelesen/index.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Am Morgen vorgelesen</a>&#8220; gehört und alles gefeiert, was da lief. Aber dann kam Fontane und schon nach zwei Folgen konnte ich nicht mehr, weil mir schon nach fünf Minuten eine bleischwere Müdigkeit die Lider schließen wollte. Aber … man wird älter und die Jahre wandeln nicht nur uns, sondern auch unseren Zugang zur Literatur. Also nochmal &#8222;<a href="https://www.projekt-gutenberg.org/fontane/effi/effi.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Effi Briest</a>&#8220; gelesen. Was soll ich sagen? Ich nehme alles zurück, was ich je Schlechtes über Fontane gesagt habe. Mir war vor allem nie aufgefallen, wieviel Humor der Typ hatte. Außerdem hat er in manchen Passagen gegendert. Und dann gibt&#8217;s auch bei Effi eine zentrale Passage, in der es um Scham geht. </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Sie schob das Konvolut zurück und begann zu lesen, während sie sich in den Schaukelstuhl zurücklehnte. Aber sie kam nicht weit, die Zeilen entfielen ihr, und aus ihrem Gesicht war alles Blut fort. Dann bückte sie sich und nahm den Brief wieder auf. »Was ist Ihnen, liebe Freundin? Schlechte Nachrichten?« Effi nickte, gab aber weiter keine Antwort und bat nur, ihr ein Glas Wasser reichen zu wollen. Als sie getrunken, sagte sie: »Es wird vorübergehen, liebe Geheimrätin, aber ich möchte mich doch einen Augenblick zurückziehen … Wenn Sie mir Afra schicken könnten.«</p>
</blockquote>



<p>Fontane löst das ordentlich, finde ich. Hoffmann hat die reine Scham beschrieben. Bei Fontane ist es die Scham in der Öffentlichkeit – und die selbstbeherrschte junge Frau, die ihre Gefühle gut genug verbergen kann. Sie zahlt mit einer Depression, was am Ende des Buches ja zum zentralen Motiv wird. Auch die Wurschtigkeit der Welt. Und dann Innstetten, diese Figur, die alle so sehr verachten in der heutigen Betrachtung. Ich finde, er ist als Charakter mindestens ebenso tragisch wie Effi selbst. Die Moral von der Geschicht&#8216;: Es war noch nie ne gute Idee, zu genau, zu präzise und zu ausschließlich das zu tun, was sich gehört. Effi Briest kann man jedenfalls besser lesen, als ich vermutet hatte. Fontane war cool.</p>



<p>Dann über die Feiertage ins 20. Jahrhundert gesprungen und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Mann" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Thomas Manns</a> &#8222;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_und_seine_Brüder" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Joseph und seine Brüder</a>&#8220; gelesen. Das ist ein ordentlicher Schinken, im letzten Teil – &#8222;Joseph, der Ernährer&#8220; – ist Thomas Mann ganz offensichtlich nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Das Exil setzt ihm zu. Vielleicht fehlt dem Stoff auch die nötige Energie, ich weiß es nicht. Aber in den ersten drei Teilen … was habe ich gelacht und seine Sprache gefeiert! Auch klatsche ich Beifall dafür, dass er den Plot einfach geklaut hat. Gut so! Es gibt einem die Freiheit, sich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren. Abgefahren fand ich zum Beispiel Manns Meta-Interpretation der Laban-Episode. Er beschreibt sie als Gang in die Unterwelt. Heldenreise 101 und zwar ohne jede Subtilität. Laban ist der Teufel, sein Reich: die Hölle selbst. Laban ist Geizhals, reiner Homo oeconomicus und Betrüger. Dass er am Ende von Jakob abgezockt wird, geschieht nicht aus billiger Rache … </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>… sondern schlechthin, weil es sich so gehörte, dass zuletzt der betrügerische Teufel spottgründlich betrogen war.</p>
</blockquote>



<p>Das alles hat mich gewundert. So viel &#8222;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Hero%27s_journey" target="_blank" rel="noreferrer noopener">monomyth</a>&#8220; in so einem so alten Schinken? Aber dann gegoogelt: David Campbell, dem wir den Begriff der &#8222;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Heldenreise" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Heldenreise</a>&#8220; verdanken, hat offenbar viel Thomas Mann gelesen <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Joseph_Campbell" target="_blank" rel="noreferrer noopener">und mit dem Alten sogar korrespondiert</a>. Wusste ich nicht. Die ganzen Storytelling-Seminare hätte man sich sparen können, wenn man in Schule und Studium besser aufgepasst hätte. Tja. </p>



<p>Die nächste Anregung verdanke ich den geschätzten Kollegen Joachim Telgenbüscher und Nils Minkmar und ihrem Geschichtspodcast „<a href="https://wondery.com/shows/was-bisher-geschah/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Was bisher geschah</a>“, den ich sehr gerne höre. Vor allem Nils Minkmar verweist immer wieder auf die <a href="https://www.projekt-gutenberg.org/montaign/essay/chap001.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Essays</a> von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Michel_de_Montaigne" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Michel de Montaigne</a>, von denen ich über die Feiertage einige gelesen habe. Montaigne hat überhaupt die Form des Essays erfunden. Hätte ich wissen müssen, glaube ich. Wusste ich aber nicht. Seine Schriften sind natürlich noch viel, viel älter als die anderen Sachen in diesem Post. Montaigne wurde im selben Jahr geboren wie einer der Söhne Martin Luthers, das war vor fast 500 Jahren. Trotzdem: Montaigne kann man noch ganz gut lesen. Alles an seiner Schreibe ist in Gedanken, Thematik und Sprache durchdrungen vom Geist der Antike. Trotzdem ist das schon die Moderne zwischen all der alte Philosophie und aus der lateinischen Tradition stammenden Rhetorik. Montaigne war ein Sammler kurioser Anekdoten aus der Geschichte. Man könnte mehrere Staffeln unterhaltsamer Podcasts daraus machen. Kein Problem. Genau wie aus Ovid und was weiß ich noch wem. Er holt sich seine Argumente und Beispiele aber auch aus ganz gewöhnlichen Alltagsbeobachtungen. Etwa, wenn er darüber schreibt, dass er nichts hält von kleinen, schmutzigen Betrügereien. Fairplay und Ernsthaftigkeit müssen sein, selbst in kleinen Dingen. Warum? Es ist eine Frage des Gewissens. </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ich spiele meine Karten mit ebensoviel Überlegung um bloße Marken und rechne so scharf, als ob ich um Goldstücke spielte; selbst dann, wenn es mit meiner Frau und meinen Kindern gleichgültig ist, ob ich gewinne oder verliere, bin ich so genau, als wann es im Ernst ginge. Es ist mir durchgängig genug an meinen eigenen Augen, mich vor bösen Künsten zu hüten. Keine Fremden können mich so genau in Aufsicht halten. Es gibt auch keine anderen, für die ich größeren Respekt hätte.</p>
</blockquote>



<p>Was mir besonders gefallen hat: Montaigne war – zumindest in manchen Passgen – der Ansicht, dass eine hilfreiche Medizin am besten auch Freude, Genuss und Vergnügen bereiten muss. Erstens, weil man dann weniger Compliance-Probleme hat: Niemand vergisst die regelmäßige Einnahme des köstlich-süßen Hustensafts, der einem dank seiner 30 Prozent Alkohol in größter Geschwindigkeit dieses wohlige Gefühl in die Birne zu zaubern vermag! So hilft Genuss unserer Selbstdisziplin. Guter Punkt! Ein zweiter kommt dazu: Man fühlt sich einfach gut, wenn man was Schönes macht. Dieses gute Gefühl zum Leben beschleunigt die Heilung und gibt uns überhaupt einen Grund, wieder gesund werden zu wollen: Im Genuss versichern wir uns der Tatsache, dass das Leben schön ist und es sich lohnt, wieder auf die Beine zu kommen. Naja, so in der Art jedenfalls geht das bei Montaigne. Ich kann ihn empfehlen, hab seine Sachen gerne gelesen. </p>



<p>Und dann – von Montaigne war&#8217;s dorthin nur ein Katzensprung – nochmal in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Baltasar_Gracián" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gracians</a> &#8222;<a href="https://www.projekt-gutenberg.org/gracian/orakel/orakel.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Handorakel und Kunst der Weltklugheit</a>&#8220; geblättert. Das ist ein Buch, das man in kleinen Dosen lesen muss, finde ich. Darin stehen viele Sätze, die gut klingen. Manches ist trotzdem dummes Zeug, anderes immerhin ein interessanter Vorschlag. Zum Beispiel dies: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Die artige Manier ist ein Taschendieb der Herzen.</p>
</blockquote>



<p>Will sagen: WIE man etwas sagt, ist manchmal wichtiger als, WAS man sagt. Sollte ich irgendwann einen Tageskalender mit klugen Zitaten schreiben müssen – dieser Satz ist auf jeden Fall dabei.</p>



<p> </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Man liest insgesamt viel zu selten einen guten Roman</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Metzger]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Sep 2020 21:18:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Goethe hat ja mal irgendwas gesagt von wegen &#8222;jeden Tag ein Lied hören, ein Gedicht lesen, ein gutes Bild angucken&#8220;. Oder so ähnlich. Passiert aber nur selten, wenn man ehrlich ist. Dasselbe gilt für die Lektüre von Romanen. Ich lese zu wenig Belletristik, es ist ein Jammer. Früher war da mehr. Aber in den vergangenen [&#8230;]</p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://www.jochen-metzger.de/wp-content/uploads/2020/09/Fiesta-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-1793"/></figure>



<p>Goethe hat ja mal irgendwas gesagt von wegen &#8222;jeden Tag ein Lied hören, ein Gedicht lesen, ein gutes Bild angucken&#8220;. Oder so ähnlich. Passiert aber nur selten, wenn man ehrlich ist. </p>



<p>Dasselbe gilt für die Lektüre von Romanen. Ich lese zu wenig Belletristik, es ist ein Jammer. Früher war da mehr. Aber in den vergangenen Monaten: gar nichts mehr. Nur noch Quatsch und Fachliteratur. Das hab ich neulich geändert, weil Wochenende war und ich gedacht habe: &#8222;Nein, heute liest Du keine Studien!&#8220; Also hab ich willkürlich ins Regal mit den staubigen Büchern drin gegriffen und –&nbsp;zack! –&nbsp;eine billige rororo-Ausgabe von Hemingways <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.rowohlt.de/hardcover/ernest-hemingway-fiesta.html" target="_blank">Fiesta</a> zwischen die Finger bekommen. So die Sorte aus den 60ern, die man als Student gebraucht für ne Mark abgegriffen hat beim Büchertrödel vor der Mensa. </p>



<p>Das Buch war übersetzt. Die Übersetzung war nicht gut. Immer wieder lief ich zum Rechner, um nachzusehen, wie&#8217;s im Original geschrieben steht. Das Original war besser. </p>



<p>Im Original heißt das Buch ja auch nicht &#8222;Fiesta&#8220;, sondern &#8222;The Sun also rises&#8220;, was ein Bibelzitat ist. Und zwar aus dem Buch Prediger (aus dem Alten Testament), das ich über die Jahre immer mal wieder gelesen und darüber gestaunt habe. Ich glaube zunehmend, dass bei der Niederschrift Drogen im Spiel waren. Nein? Gut. Dann vielleicht eine Depression. Oder zumindest ein tiefer Mangel an Illusion über den Wert unseres Daseins. Da steht (also: in der Bibel, ich habe das von <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.bibleserver.com/LUT/Prediger1" target="_blank">hier </a>genommen, außerdem hab ich festgestellt, dass man die folgenden Zeilen langsam lesen muss, damit sie funktionieren; dann aber funktionieren sie sehr gut): </p>



<p>&#8222;Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel <em>(&#8222;eitel&#8220; heißt hier: &#8222;für&#8217;n Arsch&#8220; J.M.)</em>. Was hat der Mensch für Gewinn von all seiner Mühe, die er hat unter der Sonne? Ein Geschlecht vergeht, das andere kommt; die Erde aber bleibt immer bestehen. Die Sonne geht auf und geht unter und läuft an ihren Ort, dass sie dort wieder aufgehe. Der Wind geht nach Süden und dreht sich nach Norden und wieder herum an den Ort, wo er anfing.&nbsp;Alle Wasser laufen ins Meer, doch wird das Meer nicht voller; an den Ort, dahin sie fließen, fließen sie immer wieder. Alles Reden ist so voll Mühe, dass niemand damit zu Ende kommt. Das Auge sieht sich niemals satt, und das Ohr hört sich niemals satt. Was geschehen ist, eben das wird hernach sein. Was man getan hat, eben das tut man hernach wieder, und es geschieht nichts Neues unter der Sonne. Geschieht etwas, von dem man sagen könnte: »Sieh, das ist neu!« – Es ist längst zuvor auch geschehen in den Zeiten, die vor uns gewesen sind. Man gedenkt derer nicht, die früher gewesen sind, und derer, die hernach kommen; man wird auch ihrer nicht gedenken bei denen, die noch später sein werden.&#8220;</p>



<p>Deep. Aber auch seltsam. &#8222;Fiesta&#8220; von Hemingway ist auch seltsam. Ein seltsames Buch. Und die Leute, die darin vorkommen, die sind ebenfalls seltsam. Diese Menschen, die sich da durch Paris, das Baskenland und den Norden Spaniens saufen. &#8222;Lass uns was trinken.&#8220; Zwei Mal auf jeder Seite. Zwischendurch hab ich mal angefangen zu zählen – da hatte der Ich-Erzähler bis zum Mittagessen schon eine ganze Wochenration Alkohol weggemacht. </p>



<p>Und trotzdem. Es war eine ästhetische Erfahrung. Es war inspirierend. Anregend. Man kommt ins Phantasieren. Man muss das häufiger machen.</p>



<p>Und dann Sprache! Hab nach der Lektüre gleich ein paar Formulierungen an meine Kinder geschickt, damit sie auch was davon haben (Blüten fürs <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Florilegium" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Florilegium</a>!). </p>



<ol class="wp-block-list">
<li>I walked down the street and had a beer at the bar at the next Bal.&nbsp;The beer was not good&nbsp;(…). </li>
</ol>



<p>2. The beer came. Brett started to lift the glass mug and her hand shook. She saw it and smiled, and leaned&nbsp;forward and took a long sip.<br>&#8222;Good beer.&#8220;<br>&#8222;Very good,“ I said.</p>



<p>3.&nbsp;The food was good and so was the wine. We did not talk much.</p>



<p>4. &#8222;I think you&#8217;ll find&nbsp;that&#8217;s very good wine,&#8220; he said. </p>



<p>5. &#8222;This wine is too good for toast-drinking, my dear. You don&#8217;t want to mix emotions up with a wine like&nbsp;that.&nbsp;You lose the taste.“</p>



<p>6.&nbsp;We dined at a restaurant&nbsp;in the Bois.&nbsp;It was a good dinner.&nbsp;</p>



<p>7. (übers Boxen) It was a good fight.</p>



<p>8.&nbsp;It is always cool in the&nbsp;down-stairs dining-room and&nbsp;we had a very good lunch.</p>



<p>9.&nbsp;The coffee was good&nbsp;and we drank it out of big bowls.</p>



<p>10.&nbsp;&#8222;Take some more coffee,&#8220; I said.<br>&#8222;Good.&nbsp;Coffee is good for you.&nbsp;It&#8217;s the caffeine in it.“</p>



<p>Am Ende des Buches hab ich gedacht, dass ich Mitleid mit Hemingway empfinde, obwohl er so gut schreiben und Alkohol trinken konnte. </p>



<p>Einen noch längeren Bart als Hemingway trägt übrigens mein Jahrgangsgenosse <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Judah_Friedlander" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Judah Friedlander</a>. Das ist ein Comedian aus Amerika. Ich hab neulich am Abend <a href="https://www.youtube.com/watch?v=TCMunRomOIQ" target="_blank" rel="noreferrer noopener">sein Special</a> auf Netflix gesehen und sehr viel und laut gelacht. Ich empfehle seine Show. Die Show ist gut.</p>



<p>Auch das hat mich inspiriert. Zwischendurch habe ich auf Pause gedrückt und spontan einen Vierzeiler verfasst, der ein wenig dem Style von Judah Friedlander zuwinkt –&nbsp;nur halt mit mehr Melancholie und einer Alkohol-Referenz drin, wegen, naja, Hemingway. Und Prediger. </p>



<figure class="wp-block-pullquote"><blockquote><p>Ich habe mir ein Weinglas bestellt. Für die Tage, an denen ich traurig bin. Dann trinke ich und lass&#8216; mich geh&#8217;n. Bis das Glas ganz voll ist.&nbsp;</p></blockquote></figure>



<p></p>
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		<title>Ein sehr interessantes Brot</title>
		<link>https://www.jochen-metzger.de/ein-sehr-interessantes-brot/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Metzger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 May 2020 00:35:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hab hier ein sehr interessantes Brot gefunden. Naja. Gefunden. Es lag halt im Brotkorb. Und wie ich so auf die Verpackung schaue und den Namen der Marke, da denke ich: Moment mal, das ist doch eine Bibelstelle! Wieso benennen die ein Brot nach einem Bibelzitat? Jemand hat mir dann erzählt, dass seine Fitnesstrainerin total auf [&#8230;]</p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://www.jochen-metzger.de/wp-content/uploads/2020/05/Hesekielbrot-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-851"/></figure>



<p>Hab hier ein sehr interessantes Brot gefunden. Naja. Gefunden. Es lag halt im Brotkorb. Und wie ich so auf die Verpackung schaue und den Namen der Marke, da denke ich: Moment mal, das ist doch eine Bibelstelle! Wieso benennen die ein Brot nach einem Bibelzitat?</p>



<p>Jemand hat mir dann erzählt, dass seine Fitnesstrainerin total auf Ezekiel 4:9 schwört. Es bildet die Grundlage ihrer Ernährung und hilft ihr dabei, eine schlanke Linie zu halten. Ich hab auch davon gekostet. Hat mir geschmeckt. Ezekiel 4:9 ist, wie mir scheint, ein gutes Produkt. </p>



<p>Nach der Schmeckung hat mich dann aber die Neugier gepackt. Also frisch im Netz die <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.bibel-online.net/buch/luther_1912/hesekiel/4/" target="_blank">Lutherübersetzung</a> von 1912 gesucht (denn mit der bin ich aufgewachsen) und zu Hesekiel 4 gesprungen. </p>



<p>Nun. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ezechiel" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hesekiel,</a> das sollte man erwähnen, ist einer der &#8222;großen Propheten&#8220; im Alten Testament. Davon gab es insgesamt nur vier. Also nicht viele. Um diesen Job zu kriegen, muss man, sagen wir mal: anders sein als die meisten anderen Menschen. Heute würde man sagen: neuro-divers. Ich war deshalb auf einiges gefasst. In Vers neun heißt es dann aber ganz vernünftig und fast <a href="https://www.chefkoch.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">chefkoch.de</a>-mäßig: </p>



<figure class="wp-block-pullquote"><blockquote><p>So nimm nun zu dir Weizen, Gerste, Bohnen, Linsen, Hirse und Spelt und tue alles in ein Faß und mache dir Brot daraus, soviel Tage du auf deiner Seite liegst, daß du dreihundertundneunzig Tage daran zu essen hast.</p><cite>Hesekiel 4,9 (Luther 1912)</cite></blockquote></figure>



<p>Genau so steht&#8217;s auch auf der Brotpackung, nur halt auf Englisch und ohne den Zusatz mit den 390 Tagen, für die das Brot reichen muss. </p>



<p>Eigentlich hätte ich damit zufrieden sein können. Aber wo ich schon mal da war, hab ich noch ein paar Zeilen weitergelesen. Zunächst gibt es in den Versen zehn und elf Diätanweisungen (wie viel man pro Tag essen und trinken soll; ich sag nur so viel: Das war ein karges Leben damals). Und dann folgt in Vers zwölf tatsächlich eine relativ konkrete Backanleitung. Da steht: </p>



<figure class="wp-block-pullquote"><blockquote><p>Gerstenkuchen sollst du essen, die du vor ihren Augen auf Menschenmist backen sollst.&nbsp;</p><cite>Hesekiel 4,12 (Luther 1912)</cite></blockquote></figure>



<p>Aha. Ja. Die Zeiten waren offenbar NOCH härter als vermutet. Und selbst Hesekiel ist, wie man in den Versen dreizehn und vierzehn lesen kann, von diesem Rezept wenig begeistert: Er hat sich sein Leben lang an die religiösen Reinheitsgebote gehalten. Das Kackebacken widerstrebt ihm. Kann man an der Sache nicht noch was drehen? Und tatsächlich: Der Allmächtige lässt mit sich handeln, wie wir in Vers fünfzehn erfahren:</p>



<figure class="wp-block-pullquote"><blockquote><p>Er aber sprach zu mir: Siehe, ich will dir Kuhmist für Menschenmist zulassen, darauf du dein Brot machen sollst.&nbsp;</p><cite>Hesekiel 4,15 (Luther 1912)</cite></blockquote></figure>



<p>Puh, holy shit, die Sache ist gerade nochmal gutgegangen. Mit diesem Dreh wird das Brot bestimmt gleich viel besser schmecken. Glück gehabt, Hesekiel!</p>
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		<title>Meister Eckhart – Ein neuer Weg des Glaubens</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Metzger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 May 2019 14:13:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Meister Eckhart ist einer der schlauesten Köpfe des Mittelalters. Sein revolutionärster Gedanke: Gott wohnt nicht im Himmel, sondern mitten in unserer Seele. Wie kommt der gelehrte Mönch aus Thüringen zu dieser Behauptung? Durch mystische Inspiration? Philosophische Einsicht? Oder hat ihn gar der Teufel verführt? &#8222;Manchmal braucht es wenig, um eine strahlende Karriere zu beenden. Bei [&#8230;]</p>
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<p>Meister Eckhart ist einer der schlauesten Köpfe des Mittelalters. Sein revolutionärster Gedanke: Gott wohnt nicht im Himmel, sondern mitten in unserer Seele. Wie kommt der gelehrte Mönch aus Thüringen zu dieser Behauptung? Durch mystische Inspiration? Philosophische Einsicht? Oder hat ihn gar der Teufel verführt?</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="http://jochen-metzger.de/wp-content/uploads/2020/02/IMG_2850-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-144"/></figure>



<p><em>&#8222;Manchmal braucht es wenig, um eine strahlende Karriere zu beenden. Bei Eckhart von Hochheim genügen zwei zwielichtige Mönche –&nbsp;notorischer Lügner der eine, Puffgänger der andere.&#8220; </em></p>



<p><em>&#8222;Eckhart ist kein Sonderling, der hartes Zeug raucht und auf Visionen wartet, sondern ein Intellektueller, gewaschen mit allen Wassern der Scholastik, jener auf formaler Logik basierenden, freudlosen Philosophie des Mittelalters.&#8220;</em></p>



<p><em>&#8222;Eckhart ist ein aktiv der Welt zugewandter Mann mit hoher sozialer Verantwortung. (…) Solange es auf der Welt nur einen Menschen gebe, der Hunger leidet, müsse man jede mystische Vision links liegen lassen und dem Armen einen Teller Suppe bringen. Überhaupt sei man verpflichtet, &#8222;bî allen dingen&#8220; von seiner Vernunft gebrauch zu machen –&nbsp;und nicht von wohligen Gefühlen.&#8220;</em></p>



<p><em>&#8222;Wenn Eckhart von Gott redet, meint er (…) keinen alten Mann mit langem Bart, der die materielle Welt erschaffen hat wie ein Kind, das mit Knetteig spielt. Hinter allem sieht Eckhart eine grenzenlose Kraft, die er das Göttliche nennt und die &#8222;das Sein selbst ist&#8220;. Aus ihr werde die Welt immerfort neu erschaffen, sie fließe ins Sein wie Wasser, das unaufhörlich aus einer ewigen Quelle sprudelt, eine Geburt ohne Unterlasse, schreibt er.&#8220;</em></p>



<p><em>&#8222;Eckhart behauptet: In der tiefsten Tiefe unseres Seins, im „Seelengrund“, glühe noch immer ein göttlicher „Funke“. Wer sich von allem Wünschen, allem Wollen, allem Hoffen trenne, wer sich in die „Abgeschiedenheit“ von der Welt und von sich selbst bewege, dem könne es gelingen, sich ganz in diesen Seelengrund zu versenken. Man müsse dafür „leer sein aller Kreatur“, „ausgegangen aus sich selber“ und ein Mensch, der bereit ist „zunichte zu werden“. Diese Abgeschiedenheit steht für Eckhart „so nahe am Nichts, dass zwischen vollkommener Abgeschiedenheit und dem Nichts kein Ding zu sein vermag“. Sobald wir uns auf diesen Seelengrund zurückziehen, werde Gott in uns neu geboren.&#8220;</em></p>



<p>Die komplette Mai-Ausgabe 2019 &#8222;Geheimnisvolles Mittelalter&#8220; von P.M. History kann hier nachbestellen:<br><em><a href="https://www.verlagshaus24.com/p_m__history_epaper_2019_5-phe-19-05/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">(P.M. History, 5/2019)</a></em></p>
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